Hier mein Erfahrungsbericht zu der Graef CM80 Kaffeemühle:
Erst mal einige Fotos der Mühle:
ImageShack - Graef CM 80
Hersteller:
Die Mühle wird unter dem Label GRAEF (Gebr. Graef GmbH + Co. KG — Allschnittmaschinen), einem in Deutschland als Hersteller langlebiger Küchenmaschinen für Haushalt und Gastronomie bekannter Firma, vertrieben. Tatsächlich wurde und wird die Mühle baugleich seit 2006 in Australien von der Firma Sunbeam (Sunbeam Australia : home appliances and electrical products) unter der Bezeichnung „Sunbeam EM0480“ verkauft.
Die Firma Sunbeam ist Hersteller diverser Espressomaschinen wie auch Kaffeemühlen und betreibt ein Marketing in Kooperation mit diversen Baristas (http://www.sunbeamcoffeeschool.com.au/#professionals) , bietet z.B. auch Schulungen (http://www.sunbeamcoffeeschool.com.au/#productRange) für jeden Endkunden von Espressomaschinen an.
Offizieller Hersteller und Ansprechpartner in Deutschland ist aber natürlich GRAEF.
technische Daten:
LxBxH 23x13,5x38,5 cm
Gewicht ca 2,5 kg
Betriebsspannung 220-240 Volt
Leistungsaufnahme 120-150 Watt
Lieferumfang:
Kaffeemühle, Kaffeebohnenbehälter, Kaffeeauffanggefäß mit Deckel, ein kleiner und ein großer Siebträgerhalter, Reinigungsbürste für das Mahlwerk, geknickter Gummischlauch als Aufsatztülle und Streuschutz für den Auswurfschnabel, Bedienungsanleitung
Äußeres:
Ob die Mühle einem gefällt man für sich entscheiden. Ich kann sagen, dass sie gut verarbeitet ist und einen neudeutsch „wertigen“, soliden Eindruck macht. Das Gehäuse besteht aus pulverbeschichtetem(?) Aludruckguß in Metalliceffekt. Irgendwie typisch Graef.
Siebträgergabel:
Mitgeliefert werden zwei Stück. Die eine passt für Standardgastrosiebträger und somit auch für die Graef ES 90, die andere für den mitgelieferten Auffangbehälter oder den kleinen Siebträger der Graef ES 80 Espressomaschine.
Der Bohnenbehälter:
Der Bohnenbehälter ist aus rauchig transparentem Kunststoff und wird dicht von einem edelstahlverkleidetem Deckel abgeschlossen.
Der eigentliche Clou des Behälters ist aber, dass er sich, wenn man ihn von der Maschine nimmt, automatisch über eine Art Lamellenverschluß schließt:
YouTube - graef cm 80 Bohnenbehaelter Anschließend kann man den Behälter standsicher neben der Mühle abstellen und die im Mahlwerkseingang verbliebenen Bohnen auch noch hineinschütten.
Nun ist der Bohnenbehälter laut Gebrauchsanleitung als separates Ersatzteil lieferbar. Das würde es einem also ermöglichen verschiedene Röstungen in je einem Behälter zu bevorraten um dann morgens den Robustawachmacher zu brühen und abends eher den milden Arabica. Oder man hat noch eine weitere Sorte für Frenchpress in einem dritten Behälter...
Das Mahlwerk:
Verbaut ist ein konisches Mahlwerk. Auf dem inneren Konus ist noch ein Stahlflügelchen aufgesetzt (siehe Fotos). So etwas kenne ich von der Casadio als eine Art Vorbrecher. Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass der Mahlvorgang immer gleichmäßig abläuft. Bei vier verschiedenen Bohnensorten habe ich nicht erlebt, dass die Mühle sich verschluckt hätte also kurzzeitig keine Bohnen ins Mahlwerk gezogen wurden.
Mahlen:
Der Mahlvorgang wird ausgelöst, indem der seitliche, dreistufige Schalter entweder auf "on" gestellt wird. In dem Fall mahlt die Mühle ununterbrochen weiter, bis man den Kippschalter wieder zurück stellt.
Oder man stellt den Kippschalter auf "Auto". In dem Fall löst man den Mahlvorgang durch Antippen des aus der Siebträgergabel ragenden Microschalters aus. Sobald der Schalter freigegeben wird, stoppt auch die Mühle.
Die Stellung "off" ist selbsterklärend, oder?
Das Mahlwerk ist genial einfach zu reinigen:
- Bohnenbehälter abnehmen
- den oberen Kranz drehen bis zwei Markierungen übereinander stehen
-jetzt den kompletten oberen Gehäusering von der Mühle abnehmen
-den darin enthaltenen Konus auf eine Markierung drehen
-danach den oberen Konus mitsamt seiner Kunststoffhalterung an einem Drahtbügel aus dem Ring entnehmen
Man kann nun das verbliebene Kaffeemehl aus dem Mahlwerk pinseln/ pusten oder Schütten. Oder die Wege der Gebrauchsanleitung verlassen, noch drei Schrauben lösen und dann den Mahlwerksdeckel abnehmen. (siehe Fotos). ACHTUNG: In diesem Mahlwerksdeckel ist ein Microschalter eingesteckt. Beim Abziehen des Deckels fällt der Schalter und Federstift leicht aus der Halterung. Dieser Schalter stellt sicher, dass die Mühle ohne aufgesetzten Bohnenbehälter nicht anlaufen kann.
Unter dem abgenommenem Deckel sieht man dann recht unspektakulär die Mahlkammer mit den Flügelrädchen.
Mahlgradverstellung:
Die Mühle hat „nur“ 25 Mahlgradabstufungen. Diese verteilen sich aber auch auf nur 1/5 also 72° einer kompletten Konusdrehung. Könnte man die Mühle also über eine komplette Drehung des Mahlkonus verstellen, wie dies z.B. bei Gastromühlen immer der Fall ist, hatte man bei der Graef 125 Rasten auf eine Umdrehung. Manche Gastromühle kommt hier mit 40 Rasten aus, wird dann von Boardies auf 80 Rasten aufgebohrt oder ein anderer Kranz mit 80 Rasten wird eingebaut.
Allerdings haben solche Gastromühlen dann auch einen viel feineres Gewinde an dem der Abstand eingestellt wird. Das Kunststoffgewinde der Graef, das den oberen Konus an dessen zwei Kunststoffzungen justiert, hat eine Gewindehöhe von ca. 1,8mm/ Umdrehung.
Daraus folgt, dass man bei der Graef CM80 die Mahlkoni pro Raste um 0,0144mm voneinander wegbewegt. Und das ist dann doch schon recht fein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das bei konischen Mahlwerken der letzte Mahlwerksspalt in der Horizontalen stets weniger stark vergrößert wird als das Maß um den man die Koni in der Höhe voneinander wegbewegt.
s.a. Entwarnung : konische Mahlwerke können doch fein rastern !
In der Praxis zeigte sich für mich , dass ich mit den vorgegebenen Mahlgradabstufungen recht gut zurecht komme. Mittlerweile messe ich im Alltag nichts mehr nach und komme auch ohne Tamper allein mit dem an der Casadio angebauten Platte sehr gut zu konsisten Ergebnissen.
Bei der Graef habe ich im Alltagsgebrauch das Sieb nach Augenmaß gefüllt, von Hand getampt und kam zu guten Espressi.
Mahlkammer/ Mahlreste:
siehe Fotos. Wie viel Mehl darin (z.B. über Nacht) lagert lässt sich sicher nur sagen, wenn man die Mühle auseinander nimmt und alle Reste abwiegt. Ich habe einfach über dem Mahlwerk alle Bohnen entnommen, die Mühle dann geschüttelt und im Leerlauf laufen lassen. Es kamen jeweils an die 2 Gramm heraus.
Nach der Verstellung des Mahlgrads dauerte es in der Regel einen Bezug bis sich der veränderte Mahlgrad dauerhaft bemerkbar gemacht hat.
In dieser Kategorie schneidet die Graef also am Ende bestens ab.
Lautstärke:
Ich empfinde die Mühle als angenehm ruhig. Ursächlich dürfte hier das solide Gussgehäuse sein, das keinen Gehäuseschall aufkommen lässt. Der Sound der Mühle ist deshalb auch eher gedämpft. Ich empfinde die Graef nicht als unangenehm sondern als eher leise, keine Spur von Kreischen, kein Impuls sich die Ohren zuhalten zu müssen. Es ist eher ein sonores Knirschen.
(Letztlich ist Lärmempfinden subjektiv und die Suche nach einer dezidiert „leisen Mühle“ lässt mich immer an den Spruch „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass!“ denken. Mahlen macht Geräusche...)
Mahlergebnis:
Die Graef mahlt konisch. Konische Mahlwerke mahlen nun von Hause aus „fluffig“. Das Mahlgut ist also locker und gleichmäßig ohne echte Klümpchen. Das bedeutet aber auch, dass eine normale Siebfüllung im ungetamptem Zustand hoch im Sieb steht. Da muss man dann aufpassen, dass vor dem Tampen und während des Mahlens nichts über den Siebrand fällt.
Sauberkeit des Auswurfs:
Anfangs wurde die Mühle von Sunbeam ohne den Gummirüssel ausgeliefert. Dementsprechend hat die Mühle weit gestreut. In den australischen Foren hat dann jemand einen transparenten Schlauch für seine Mühle vorgestellt und das Rumsauen drastisch reduziert. Diese Idee wurde dann von Sunbeam übernommen und auch die Graef hat jetzt den Gummirüssel.
Gelegentlich hatte ich dennoch Krümel, die von dem Rüssel wegspratzelten. Es hat sich hier als vorteilhaft gezeigt, den Rüssel ein wenig vor zu ziehen, da er hierdrurch gleichzeitig ein Stück weiter in die Tiefe ragt. Letztlich sah es auch nach dem achten Bezug um die Mühle immer noch recht ordentlich aus. Das was da dann rund um die Mühle lag waren in erster Linie Kaffeereste, wie sie beim Tampen entstanden.
Also, ich finde die Mühle arbeitet sauber. Ich finde aber auch, dass an einem Baristaarbeitsplatz ein Lappen gehörtund kann Leute die sich über ein Krümelchen hier oder da aufregen nicht wirklich verstehen.
Fazit:
Die Fa. Graef bringt mit der CM80 ein gute Einstiegsmühle auf den Markt. Bei einem UVP von 139,-€ ist diese preislich sehr attraktiv. Vorteilhaft ist, dass die Mühle vor Ort in vielen Haushaltswarenfachgeschäften zu beziehen sein dürfte.
Mir gefällt das massive Gußgehäuse. Die Mühle arbeitet vergleichsweise leise und liefert ein schön gleichmäßiges, typisch konisches Mahlgut. In der Mühle selbst verbleiben nur wenig Mahlreste. Bohnenwechsel und Mahlgradänderungen werden schnell umgesetzt.
Interessant ist die Idee mit dem selbst schließendem Bohnenbehälter, der einem evtl. mehrere gefüllte Bohnenbehälter als Alternative zur Zweitmühle ermöglicht.
Das einzige Manko ist die nicht stufenlose Mahlgradverstellung, die sich bei mir in der Praxis aber nicht als so gravierend darstellte. Dazu später hoffentlich noch mehr..


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