Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

Diskutiere Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht im Mühlen Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hier mein angekündigter Erfahrungsbericht zur Fiorenzato F63 EK. Ich fang mal mit den negativen Erfahrungen an und schwenk dann locker rüber zu...

  1. #1 Horst-Günter, 13.06.2011
    Horst-Günter

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    Hier mein angekündigter Erfahrungsbericht zur Fiorenzato F63 EK.

    Ich fang mal mit den negativen Erfahrungen an und schwenk dann locker rüber zu den positiven. Das Ganze endet dann sehr versöhnlich.

    Negativpunkte:
    1) scharfe Grate am Auffangblech - lassen sich aber mit einer Feile leicht entgraten
    2) Ein Kabel des Lüfters war nicht angeschlossen - hing in der Luft
    3) Die Mühle wiegt definitiv keine 35kg - wie auf Fios homepage und im Pdf-Doku angegeben
    4) Nach ca. zwei Wochen Betrieb funzten die beiden Startknöpfe von der Timereinheit nicht mehr, nachdem ich die Sprache fürs Display geändert habe
    (die deutsche Übersetzung ist grauenhaft - das "Farben weiterhin" kontinuierliches Mahlen heißen soll, erschließt sich auch erst nach 5 Whiskys)


    Punkt 1 und Punkt 2 waren leicht zu beheben - Schwamm drüber.
    Punkt 3/4 ist etwas speziell. Mich haben die falsche Gewichtsangabe und die 650W angegebener Leistung schwer verunsichert,
    wo ich ein Gewicht von 20kg und selber doch nie mehr als ca. 200W Leistungsaufnahme gemessen hab.
    Dazu hab ich noch das lose Kabel vom Lüfter entdeckt und ich fing an einen gewissen Groll gg. Fio zu hegen.
    Aber für fast alles gibt es eine Erklärung und der Beitrag von Emil zum Motor und ein kurzer Mailverkehr mit Fio wg. Timerproblem (s.u.) haben mich schnell wieder geerdet.




    Totraum /Sauerei/Klümpchenbildung:

    Wer sich eine Gastromühle kauft, kauft sich auch viel Totraum.
    Ich hab die Mühle leergemahlen, und was im Mahlraum verbleibt, sieht so aus:
    [​IMG]

    Und das Ganze wiegt nicht wenig:
    [​IMG]

    Was davon tatsächlich tote Masse ist, und was beim nächsten Mahlvorgang ausgetauscht wird, weiß ich nicht. Der erste Espresso ist definitiv nicht zum Verzehr geeignet, sondern nur für den Brühkopf zum durchheizen und anschließend für den Abfluß.
    Der zweite ist aber gut bis sehr gut, alle folgenden hervorragend.

    Die Sauerei hält sich in Grenzen, ist aber stark von der Röstung abhängig (sogar von Luftfeuchtigkeit - aber da lassen wir mal, und Malabar saut fürchterbar...).
    Vielleicht bau ich mir den Mazzer-Trichter wieder dran, um besser an den Auswurf und die Blechgabel zur elektrostatischen Entladung zu kommen.
    Das hatte ich schon mal gemacht, als mir der Timer abgeschmiert ist (s.u.). Der Dschungelespresso hat, nachdem die Gabel in den Trichter hinein gebogen wurde, überhaupt nicht mehr gesaut, Klümpchenbildung war auch nicht mehr vorhanden.
    Man kann also nicht sagen, das Sauerei und Klümpchenbildung nicht vorhanden sind - aber in vertretbarem Rahmen.

    Verarbeitung: wirkt sehr robust und entspricht der Preisklasse, die Verkleidung der Timereinheit ist allerding aus Plastik und paßt nicht zum sonstigen robusten Erscheinungsbild der Mühle.
    (natürlich ist das auch Geschmacksache...ist so ein Starwars Design)


    Mahlgeräusch/Lüfter: Die Mühle ist sehr angenehm leise - nichts Schrilles wie bei meiner Rossi, die einen Höllenlärm macht. Und wenn man ohne Hopper mahlt, ist sie noch mal ein Stück leiser !
    Was nervt, ist das Piepen beim Starten des Mahlvorgangs (wenn man den Piezo Pieper findet, dann kann man mit einer spitzen Nadel in das kleine Loch.....)
    Der Lüfter springt angeblich bei 45Grad C. an. War bei mir noch nie der Fall, im Gastrobereich sicher sinnvol (dafür ist die Mühle ja schließlich konzipiert)
    Ich hab mal einen Fön reingehalten - der Lüfter "lüftet" für ca. 30sec.

    Mahlgradeinstellung: kennt man z.B. von Mazzer; praktikabel, kann man aber auch besser machen, bei Macap z.B.

    Motor: Ich weiß zwar noch aus der Schule, wie ein "normaler" Elektromotor funktioniert, aber nicht viel mehr.
    Daher halte ich hier besser die Klappe und verweise mal auf den Beitrag von Emil ( http://www.kaffee-netz.de/m-hlen/45982-fiorenzato-f63ke-eagle-has-landed-3.html#post607359) und auf Wikipedia wg. Frequenzumrichter im Zusammenhang mit Drehmoment (Frequenzumrichter ? Wikipedia).
    Hier ein kurzer Blick ins Innenleben, falls jemand was damit anfangen kann:
    [​IMG] [​IMG]



    Geschmack (als Bohne hab ich den Dschungel Espresso von Mirella genommen): Sensationell - hier werden meine Erwartungen weit übertroffen. Beim direkten Vergleich mit der Rossi ist das sofort zu schmecken.
    Die Bohne schmeckt wirklich wie dunkles Marzipan mit Rosinen ...
    Liegt es allein an der niedrigen Drehlzahl und der dadurch niedrigeren Temperatur, oder wird auch mehr Oberfläche im Mahlgut erzeugt? Vielleicht weiß hier jemand mehr oder hat ähnlich Erfahrungen gemacht.

    Timer/Menge: Der Timer läßt sich leicht programmieren, die drei Knöpfe sind für 1er, manuelles Mahlen, und 2er Portion. Offenbar kommt man aber leicht in einen Modus rein - wie auch immer - der die beiden Timerknöpfe sperrt.
    Dazu eine Mail von Fiorenzato, wo mir netterweise eine nette Lara diese "magic key combination" mitgeteilt hat, um eine reset beim timer durchzuführen:
    ------
    >From your description it is quite probable that you change some functions when you changed the language.
    You have to keep pressed the button 3 (with 2 cups) and after 6 sounds (bip) it appears "escludi micro" exclude micro, press "yes" with the button 2, then button 3 and again button 3 for three times.
    The grinder now works properly.
    ------
    Da muß man erst mal drauf kommen, gell. Danach lief wieder alles "properly".


    Bei Mühlen dieser Bauart bleibt nur die Feinwaage, wenn man es auf 10tel Gramm genau haben will. Allein über den Timer läßt sich das nicht machen, dafür ist der Auswurf nicht exakt genug. Aber das kann man auch nicht ernsthaft erwarten.
    Der Hopper hat unten 4 Verstärkungs-Rippen, so daß ich schlecht einen gleichmäßigen Druck auf die Mahlscheiben aufbauen kann, indem ich z.B. Billigbohnen in einem Beutel auf die guten Bohnen lege (frei nach Michele und seiner Macap M7D http://www.kaffee-netz.de/m-hlen/45656-erfahrungsbericht-macap-m7d.html#post535173), die Rippen nehmen den Druck. Also Rippen raussägen ? Lieber nicht. Vielleicht finde ich einen hübchen Glashopper, der paßt.

    Ich mahle i.d.R. fürs LM 1er 8,3g - 8,5g direkt in eine Löffelwaage (von Schiiiiiiboooo ).
    Da ich überwiegend dieses Sieb verwende, mahle ich auch gern auf Sicht in den siebträger (ja - auch aus Faulheit)


    Mahldauer bei optimaler Mahlgrad (also ziemlich fein):

    8g - ca. 5,3Sekunden



    Fazit:
    Ich wollte eine Mühle mit folgenden wenigen Eigenschaften:

    • konisches Mahlwerk
    • leise
    • robust/beständig

    Scheint alles erfüllt, und mein anfänglicher Groll gg. Fio hat sich gelegt. Hinzu kommt eine enorme Geschmacksverbesserung, die ich in der Deutlichkeit nicht erwartet habe; und wie beständig sie ist, wird sich zeigen. Hoch die Tassen.

    Dank an Determann für die perfekte Kauf-Abwicklung und ans Forum für die Infizierung

    (und irgendwann kauf ich sie mir doch, die Versalab, und dann...)
     
    cup29 gefällt das.
  2. #2 Markenmehrwert, 13.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Danke!

    Schöner Bericht. Bin schon auf deine Langzeiterfahrung gespannt.
    Wäre interessant zu wissen, ob ein Geschmacksunterschied zur Casadio besteht. Aber wer hat schon beide Mühlen.

    Gruß
    Martin
     
  3. #3 ChristianK, 13.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Danke für den Bericht!
    Grüße
    Christian
     
  4. #4 scott zardoz, 13.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Danke für Deinen ausführlichen Bericht.

    Zwei Dinge die mir im Vergleich zu anderen Konischen Mühlen auffallen.



    1.) Grundsätzlich liegen diese 5,3 Sekunden fast auf dem Niveau von Dosermühlen
    (um 7 Sekunden) mit flachen Scheiben und 63-64mm Durchmesser. Nur dass diesen
    Mühlen wesentlich höhere Drehzahlen haben. Vielleicht regelt der Frequenzumrichter
    der Fio aber nicht nur die Leistung sondern auch die Drehzahl?
    Ich kann dazu leider nix sagen.


    Für die Reproduzierbarkeit ist eine längere Mahldauer immer von Vorteil.
    Bei meiner konischen Faema (450 u/min + 68mm Scheiben) dauern 8g
    nur ca. 2-3 Sekunden. Mit einem normalen Timer bei dem sich nur Sekunden
    einstellen lassen kommt man nie auf die richtige Menge. Ich nutze deshalb
    gezungenermassen digitale Fototimer welche sich im Zehntelbereich einstellen lassen.

    2.) Die Mahlkammer der F63 EK ist vergleichsweise riesig ausgeführt.
    Leider sind die Schaufeln des unteren Mahlscheibenträgers (um den Konus)
    unterbrochen, so dass das Mehl welches hier liegen bleibt nicht so leicht ausgeworfen wird.
    Der Bereich um den Konus MUSS bei dieser Konstruktion aber immer frei bleiben denn dort
    sitzt die obere Mahlscheibe auf. Diese Schaufeln müssen aber bei grossen Konischen nicht
    zwingend auf einer Höhe mit dem Konus liegen. Wie so etwas aussieht zeigen die Mahlkammern
    der Macap MD7 und der Faema MC99.

    Das in der Faema verbleibende Mehl wiegt vllt. um 6-7 Gamm. Aber da ich immer auch
    den Bohnenbruch mitrechne werden es wohl ähnlich viele Gramm sein wie bei Dir.
    Man kommt nicht umhin das morgens der erste Bezug für die Tonne ist. :)

    Kaffee ist Emotion und Leidenschaft da kann ich über solche Eigenheiten, die ja fast jede Mühle hat,
    locker hinweg sehen. Dein Bereicht klingt wie der eines zufriedenen Mühlenbesitzers und darum geht
    es schlussendlich.


    Viel Spaß mit der Fio.



    Gruss




    Scott
     
  5. #5 koffeinschock, 15.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    ist in der mühle wirklich ein frequenzumrichter drin? bei der preisklasse tu ich mir ein wenig schwer, das so zu glauben (noch dazu, daß ich die preise von siemens kenne...). für mich sieht das eher nach einem softstarter aus.
     
  6. Tannat

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    schöner Bericht,
    sehr aufschlussreich scheint eine Mühle zu sein die nicht ganz optimal "durchgereift" ist.
    Hatte sie auch schon mal in erwägung gezogen aber der Bericht zeigt mir einmal mehr das meine Wahl letzten Herbst zur Nino die richtige wahr.
     
  7. #7 Horst-Günter, 15.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Hab gerade gesehen - es ist ein Frequenzumrichter (hatte vergessen Dr. Google zu konsultieren): Einbaugeräte SINAMICS G110 - - Siemens

    Zur Frage Frequensumrichter ja/nein: ich hab den Hinweis von Emil bzgl. Frequenzumrichter in meinem Bericht (ungefragt !!) einfach so zitiert -- er war sich ja selber nicht sicher. Da es aber mein Bericht ist, fühl ich mich jetzt in der Pflicht. Ich hab die Mühle noch mal aufgeschraubt und diesmal auch die Verkleidung der "Black Box" gehoben und fotografiert. Die E-Freaks können vielleicht mehr damit anfangen. Das Typenschild ist direkt vor der Schütze plaziert und kaum ran zu kommen , einen Teil konnte ich aber fotografieren.
    Ich hab 3 Platinen entdeckt, am Boden 2 übereinander und im Deckel noch mal eine.
    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]

    In jedem Fall komplexer als einfach ein Motor mit fettem Kondensator...

    Stimmt - IMHO eine sehr gute Mühle, es gibt aber einige Kinderkrankheiten. Glückwunsch zur Nino - brutales Gerät:lol:
     
  8. #8 koffeinschock, 16.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    ok - an die low budget-geräte hab ich nicht gedacht. theoretisch kannst du sogar den frequenzumrichter programmieren, wenn du dir ein bop (basic operator panel) beschaffst/leihst. z.b. drehzahl verringern, rampup o.ä.
     
  9. #9 Horst-Günter, 16.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Wozu umprogrammieren - Drehzahl von 450rpm ist doch wunderbar
    (die Formulierung "low budget" gefällt mir irgendwie nicht...)
     
  10. #10 koffeinschock, 16.06.2011
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    sorry. siemens verwendet folgende ausdrücke, die etwas besser klingen: 'Grundfunkionalität' und 'ideale Preisbewusste Lösung' :mrgreen:
    in meinem umfeld werden eher geräte der micromaster-serie verwendet oder z.b. von danfoss oder abb - diese liegen aber preislich und von den funktionen in einer anderen liga. so ein gerät, auch der niederen leistungsklasse .12-.37kW würde die mühle locker vom preis verdoppeln. die meisten gebotenen funktionen würde man aber gar nicht benötigen. ich vermute, daß der FU nur 2 funktionen erfüllen soll: aus 1x230V 3x230V machen und die drehzahl drosseln, damit die drehzahl ohne getriebe niedrig gehalten werden kann. selbst einfache FU können dafür sorgen, daß ein genügend hohes anlaufmoment zur verfügung steht, ohne daß der motor später zu schnell dreht.
     
  11. #11 Horst-Günter, 16.06.2011
    Horst-Günter

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Na bitte - war auch nicht so ernst gemeint. Jedenfalls weiß ich jetzt, wer sich mit Frequenzumrichtern auskennt. Werde mich ggf. vertrauensvoll an Dich wenden, wenn ich da mal Hilfe benötige - Danke erstmal für die Infos:lol::lol::lol:
     
  12. emil

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Dann hänge ich mich mal eben an diesen Beitrag dran, weil es thematisch sicher sinnvoll ist - ich habe mir ja fast gleichzeitig mit Horst-Günter die gleiche Mühle gekauft und fühle mich inzwischen in der Lage, eine Meinung dazu abzugeben - auch wenn der gross angekündigte Vergleichstest mit allen meinen bisherigen Mühlen (Mühlen verkauft man nicht ...) bisher nicht stattgefunden hat.

    Nachdem im Netz alle möglichen (meistens falschen) Aussagen zu den technischen Spezifikationen der Mühle zu lesen sind, fange ich mal mit einer Zusammenstellung der Spezifikationen meiner Mühle an:

    Gewicht: ca. 19,5 kg (ist inzwischen auf der Fio HP berichtigt)
    Motorleistung: 850 Watt (steht immer noch anders bei Fio)
    Drehzahl: 450 U/min
    Breite x Tiefe x Höhe (ohne Hopper): 22 x 28 x 43,5 cm (mit Hopper 67 cm)

    Durch den Frequenzumrichter (FU) läuft die Mühle trotz 230 Volt im echten Drehstrombetrieb, die Drehzahl wird über die Drehfrequenz eingestellt und nicht über ein Getriebe. Der Motor selbst dreht so nur mit 450 U/min, daher wunderbar leise, nimmt nur ca. 30% der Bemessungsleistung auf, bietet aber das volle Drehmoment. Diese Anwendung ist zwar naheliegend, aber einzigartig im Mühlenmarkt und von Fiorenzato MC patentrechtlich geschützt. Der FU alleine kostet auf der Ersatzteilliste 332 Euro netto (Stand 2009) - im Vergleich zu den sonst üblichen Anlaufkondensatoren ist er also sicher kein low-budget-Teil.

    Mahldauer: ca. 3,9 s für 7,8g - ca. 7,8 s für 15,0g

    Die Massivität der Mühle ist im Vergleich zu meinen bisherigen Mühlen beeindruckend. So wiegt z.B. der aus dem Vollen gefräste Einstellring für den Mahlgrad alleine 832g, der obere, federgelagerte Mahlwerksträger einschliesslich äusserem Konus noch einmal 619g.

    [​IMG]

    [​IMG]

    Jetzt zu meinen Beobachtungen bzgl. Totraum:
    Die Mühle ist zur Portionsmahlung bedingt geeignet - ich habe z.B. den Espressotest von Angelo so bestritten - dabei bleiben ca. 6g bei der ersten Mahlung in der Mühle stecken, den Timer kann man dabei allerdings vergessen, es dauert ca. 30s bis wirklich alles aus der Mahlkammer ausgeworfen wurde. Auch der Mahlgrad muss etwas gröber gestellt werden, da die Bohnen sonst wegen des geringeren bzw. nicht vorhandenen Bohnendruckes länger in der Feinmahlzone bleiben. Die Qualität des Mahlgutes bleibt aber reproduzierbar, was u.U. mit dem dreiflügeligen Rotor über dem Konus zusammenhängt.

    Benutzt man die Mühle bestimmungsgemäss, also mit Timer (der auf Zehntelsekunden genau einstellbar ist), bleibt erwartungsgemäss ein deutlich grösserer Rest im Mahlwerk: Ich habe 15 g gemessen. Dies liegt wie beschrieben an der grossen Mahlkammer der F63 EK, die reichlich Platz für Kaffeemehl bietet.

    [​IMG]

    Der Vorteil dieser Kammer könnte aber ein anderer sein: Meines Erachtens kann man durch Austausch des oberen und unteren Mahlwerkträgers in der F63 EK auch das 71mm Mahlwerk der F71 EK montieren, alle anderen Teile sind nach meinen Recherchen identisch (wie ja auch die Mazzer Kony und Robur als Trifase plötzlich ein dickeres Mahlwerk beherbergen) - und der Motor ist damit sicher noch nicht überfordert. Falls die Upgraditis also irgendwann wieder zuschlägt (wofür es im Moment noch keine Anzeichen gibt), könnte man ihr vielleicht sogar mit übersichtlichem Invest nachgeben ...

    Geschmacklich haben sich durch die neue Mühle wirklich neue Welten erschlossen - die Verschiebung der Nuancen in Richtung fruchtig sind klar erkennbar, hören sich aber eindeutiger an als sie sind: Auch mit der Fio gibt es Schokobomben, aber die klare Aussage "Guter Kaffee schmeckt schokoladig" ist nicht mehr möglich, das Leben ist komplizierter geworden.

    Gruss Emil
     
  13. #13 Horst-Günter, 29.02.2012
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Schön mal wieder was zu dieser eher seltenen Mühle zu hören. Die "Verwandlung" auf eine 71er-Mühle ist sicher eine Überlegung wert.


    Was den großen Totraum angeht: ich hab meine Mühle mittlerweile modifiziert und die aktive Restmenge auf <= 1g reduziert.


    Folgendes hab ich an der Mühle geändert:
    Die Steuereinheit und den Rüssel hab ich abgebaut und durch einen Trichter ersetzt, gestartet wird mittels Kippschalter.
    Eine Siebträgergabel zum Ablegen (Dank an MarcellesWallace) wurde montiert, damit die Hände frei bleiben.
    Um den Auswurf beim Mahlen zu blockieren, hab ich einen Kipp-Verschluß gebastelt (man kann auch einen Pinsel o.ä. während des Mahlvorgangs davor halten)


    Der Ablauf mal in aller Kürze:
    vor dem Mahlen den Auswurfkanal blockieren (geht auch mit einem Pinsel o.ä.);
    Bohnen für eine Portion einfüllen und mit Tamper abdecken (popcorning !!!), Motor starten ;
    wenn alle Bohnen gemahlen sind, bei noch laufendem Motor den Auswurfkanal öffnen.


    Das Mahlgut kommt dann in einem Rutsch herausgeflogen - es verbleiben keine Reste in der Mahlkammer.
    Das funktioniert für meine Einer-Portion (9,6g) ebenso wie bei 21g. Bei welcher Menge die Grenze liegt, hab ich noch nicht ausprobiert.


    Die einzige aktive Restmenge liegt im Auswurfkanal0,5g bis 1g. Und das läßt sich bei Bedarf leicht rauspinseln

    Das Mahlgut ist nicht elektrostatisch aufgeladen, allerdings etwas gestauchter als beim normalen Mahlen, keine Klümpchen ! Ein "Atomisierer" ist hier empfehlenswert.




    Die Modifikation hab ich seit ca. 2 Monaten und sehe nur Vorteile:




    kein altes Mahlgut in der Mahlkammer
    keine angebrochenen Bohnen über den Scheiben

    Wechsel der Bohnensorte ohne Reinigungsaktionen sofort möglich
    Mahlgradveränderungen wirken sich sofort aus
    die Änderungen sind reversibel
    (und ich brauch keine Versalab mehr)

    Zum Bestimmen der Bohnenmenge verwende ich noch eine Löffelwaage. Ich wechsel jetzt auch gerne die Sorten querbeet, auch in Richtung Fruchtbomben (z.B. von Armin Machhörndl etc)

    Ehrlich gesagt ist mir nicht so ganz klar, warum das so funktioniert - vielleicht haben ja die "Teilchen"-Physiker eine Erklärung (mein Leistungskurs ist laaaaaaaaange her - alles vergessen).

    Demnächst kommen noch ein paar Fotos
     
  14. #14 Horst-Günter, 29.02.2012
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    So - hier noch schnell ein paar Bilder des Umbaus.
    Der Trichter ist von Mazzer, die Gabel aus dem KN und der Kippschalter von Conrad. Das Blech hinter dem Trichter hab ich vom Baumarkt, ich habs mit der Blechschere etwas zurechtgeschnitten, es ist nur gesteckt.
    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]
     
  15. emil

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Hallo Horst-Günter,

    dann unterhalten wir uns eben über unsere Mühlen ...

    Nur mal so als Frage am Anfang - Du fährst nicht zufällig einen Chopper? So wie Du an der Mühle customisest, das hat schon was von "chopping".

    Zur Siebträgergabel: Meine halten auch an der Originalgabel, man muss sie allerdings ein wenig schräg drauflegen - der Bodenlose hält aber weder mit der originalen Gabel noch mit der Quamar-Gabel.
    Ein Beweisfoto:

    [​IMG]

    Und wie gesagt, beim Mahlen von Einzelportionen bleibt nichts in der Mühle, nur bei Benutzung des Timers. Da ich den aber auch ziemlich clever finde (und auch auf den Starwars-Look stehe), habe ich ihn noch nicht abgebaut.
    Gerade eben hatte ich eine solche Marzipan-Granate aus dem Fausto Giasing, trotz Timer und Totraum, dass ich mir mal wieder zu der Mühle gratuliert habe. Die Gaggia hat nicht im Ansatz das Gleiche aus dem Giasing rausgekitzelt.

    Noch eine Info für eventuell Interessierte:
    Im Netz gibt es ausser unseren so gut wie kein richtiges Foto von der F63 EK, weil Fio auf seiner HP ein Bild von der F64 EVO auf der Produktseite hat und alle Händler (von denen es sowieso erstaunlich wenige gibt) sich bei Fio bedienen. Also: Die Mühle hat seitliche Belüftungsschlitze und ist deutlich höher als die üblicherweise im Netz zu findenen Fotos darstellen. Das liegt daran, dass der Motor und die konischen Mahlscheiben deutlich höher bauen als bei den kleineren Modellen.

    Noch eine Frage an Dich:
    Was steht auf Deinem Serienschild hinten links an der Mühle für eine Bezeichnung (bei mir F6 G/K), was für eine Seriennummer (bei mir 000060606) und was für eine Anschlussleistung (bei mir 220/230V 50/60Hz 850W IPX1) - so könnten wir vielleicht herausfinden, ab die 650W von der Fiorenzato-HP irgendwann mal Stand der Dinge waren oder auch nur so ein Übertragungsfehler sind wie die 39 kg.

    Gruss Emil
     
  16. #16 Horst-Günter, 01.03.2012
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Hallo Emil und alle anderen Liebhaber konischer Mühlen,

    die Daten vom Typenschild kann ich heut abend schicken, bin z.Zt. noch auf Arbeit (muß ja auch mal sein...).

    Da ich fast auschließlich den bodenlosen Siebträger mit dem LM1er verwende, hab ich mir die Gabel zum Ablegen montiert.

    Mahldauer bei mir für 10g: ca 12s

    (Chopper fahr ich nicht, aber das hier http://www.hpvelotechnik.com/images/presse/scorpionfs/Scorpion_fs_links_grau_bl_backgr.jpg - ist auch bekloppt genug:lol:)
     
  17. #17 Horst-Günter, 01.03.2012
    Horst-Günter

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Servus Emil,
    zum Thema Typenschild: das ist identisch mit Deinem, bis auf die Seriennummer natürlich (Stand 12/2010).

    Wie auch immer: das Mahlwerk ist definitiv konisch !!!

    Gruß
     
  18. #18 koffeinschock, 01.03.2012
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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    dass das naheliegend ist, ist das eine. aber motoren in der drehzahl regeln/begrenzen per frequenzumrichter ist von fiorenzato patentiert? das kann ich kaum glauben - immerhin wird da etwas getan, was allgemein bekannt ist und somit nicht mehr patentierungswürdig ist.
    im übrigen gibts in einem anderen fred zu der mühle auch den fu zu sehen - das ist ein siemens, aus der low-cost-reihe. dafür gibts (für vermutlich unverschämtes geld) ein kleines programmierpanel zum aufstecken, mit dem man die parameter einsehen/ändern kann.
     
  19. emil

    emil Mitglied

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Hallo Horst-Günter,

    danke für die Info. Das K bei G/K steht für das konische Mahlwerk, und die Doservariante heisst z.B. in Australien auch heute noch so.

    Für mich bedeutet das, dass die 650W ein Gerücht sind (wahrscheinlich vom Kondensator-Motor der normalen F6) und die beiden konischen Direktmahler sich wirklich nur durch das Mahlwerk und die entsprechenden Aufnahmen unterscheiden ...

    Gruss Emil
     
  20. emil

    emil Mitglied

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    AW: Fiorenzato F63 EK - Erfahrungsbericht

    Allgemein Motoren per Frequenzumrichter zu regeln ist sicher kein Patent von Fiorenzato - ich könnte mir aber vorstellen, dass die Verwendung eines so geregelten Motors in einer Kaffeemühle zumindest einen gewissen Neuheitscharakter hat. Zumindest schreiben sie:

    ... aber wie wir gerade lernen, sollte man vielleicht nicht alles gleuben, was auf italienischen Webseiten steht ...

    Gruss Emil
     
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