Seit kurzem besitze ich eine Rancilio Epoca ST 1, also eine Gastro-Maschine mit Vibrationspumpe und Einbautank. Der Neupreis liegt z. Z. zwischen günstigstenfalls 1.450 € und maximal 1.850 €. Gekauft habe ich sie bei der Rancilio-Vertretung Thomas Lüdtke in Gettorf bei Kiel. Lüdtke betreibt als Techniker mit zwei Meisterbriefen neben Anderem einen Gastro-Service und empfiehlt sich daher als kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner für alle technischen Fragen: http://www.luedtkegmbh.de/centro/ind...tion=impressum
Noch an der alten Zapfstelle gezapft!
DIE KAUFENTSCHEIDUNG UND WIE ICH DAZU KAM:
Ich besaß viele Jahre lang einen hochwertigen Einkreiser, der mich täglich mehrfach mit feinen Heißgetränken versorgte. Von daher war der Leidensdruck nicht sonderlich hoch und ich sah mich nicht veranlasst, eine schnelle Entscheidung für neue Geräte treffen zu müssen. 2005 fing ich an, mich für Alternativen zu interessieren – allerdings mehr aus einem allgemeinen Interesse heraus und mit dem Ziel, meine damals noch recht dürftigen „Baristakünste“ zu verbessern. So fängt es ja wahrscheinlich bei uns allen an!
Ich las viele viele Erfahrungsberichte über Maschinen, Zubehör und Arbeitstechniken hier bei uns im Forum, bei Home-Barista und bei Coffee-Geek. Und ich habe auch registriert, welche Probleme Besitzer mit ihren Maschinen hatten. Langsam verfestigte sich meine Abneigung gegen das Äußere der allgemein üblichen „Chrombomber“ mit ihrer E 61-Brühgruppe, deren Nachteile (bei allen bekannten Vorzügen) mich nach einer Alternative suchen ließen.
Auch Dual Boiler wie die Spaziale Vivaldi schied ich nach einiger Recherche aus. Im Grunde meines Herzens liebe ich die alten Maschinen mit ihrer eigenwilligen Eleganz und der überschaubaren, aber soliden Technik. Und ich sehe nicht, wozu die 100.000 elektronischen Helferlein gut sein sollen, die nur eine verdammt kostspielige Fehlerquelle bedeuten. Ich sehe nicht ein, warum man ein eingebautes Laptop braucht, um einen anständigen, trinkbaren Espresso zu produzieren (zu Hause - in der Gastronomie, wo es schnell gehen muss und auch jede ungelernte Hilfskraft noch einen halbwegs verkäuflichen – hmmm – Espresso ohne größere Meutereien seitens der Kundschaft herstellen können muss, ist das natürlich anders!).
Nach und nach begrenzte sich die engere Wahl auf drei Maschinen, die mich mit ihrer bekannten Robustheit und Zuverlässigkeit überzeugten: Bezzera BZ 99 oder 02 (je nach Geschmack – unterscheiden sich nur in ihrem Aussehen – deswegen werden sie hier als eine Maschine aufgefasst), die Cimbali Junior und eben die Rancilio Epoca. Für die Bezzi spricht bei ihrer geringen Größe ihre weltbekannte Gutmütigkeit, mit der sie hervorragenden Espresso produziert, und ihre technische Qualität. Sicher eine der besten Maschinen für ganz kleines Geld und mehr Maschine braucht eigentlich (zu Hause) kein Mensch – es sei denn, er ist ein Gerätefetischist.
Und da wären wir schon direkt bei der Cimbali Junior mit ihrer exklusiven, zeitlosen Eleganz und der hochwertigen Verarbeitung und eben der Epoca, bei deren Optik sich zwar die Geister scheiden (auch meine!!!), die aber mit ihrer schieren Größe und Massivität überzeugt. Und außerdem gilt gerade auch bei Espresso-Maschinen die uraltdeutsche Bauernweisheit: Big is beautiful – auch wenn es Scheiße aussieht! (Oops – aber Herr Doktor!). Und die Masse hat einen kolossalen Vorteil gegenüber allen kleinen Haushaltsmaschinen: ihre Temperaturstabilität. Sie braucht keinen Leerbezug – einfach das Kaffeemagazin laden und feuern, nachdem kurz die Tasse am Heißwasserhahn zum Aufwärmen gefüllt wurde. Und der Stromverbrauch scheint sich in Grenzen zu halten: ich habe nicht den Eindruck, sie würde sich zu Tode heizen!
BESCHREIBUNG:
Ich habe mich für das Modell ST 1, also die Tankversion entschieden, da ein Festwasseranschluss bei mir mit größeren Umbaumaßnahmen verbunden wäre, die ich mir gerne ersparen würde. Heute würde ich mich allerdings nicht noch einmal so entscheiden: Ich würde eine S 1 mit Rotationspumpe und Festwasser wählen, die Maschine aber an einem externen Tank betreiben (Modell Cerealienbox, wie schon häufig hier im Forum beschrieben - z.B.: Externer Tank für Festwassermaschinen...). Es ist mir etwas lästig, zweimal am Tag den kleinen Tank nachzufüllen, obwohl es eigentlich realiter kein Problem darstellt, da die Brita-Kanne direkt daneben steht.
Die Größe der Maschine bringt auch eine entsprechende Größe aller Bedienelemente mit sich und das macht die Arbeit zum Vergnügen. Und die schwere, solide Gastrotechnik überzeugt einfach. Auch im Innern der Maschine: daumendicke Gastrorohre, die nicht so schnell verkalken, statt bleistiftdünner Röhrchen und große Gastroaggregate, denen man langjährig zuverlässige Arbeit zutrauen mag.
Die Bedienung ist leicht und selbst erklärend – man kann eigentlich nichts falsch machen und auch die tägliche Routine ist einfach. Der große Driptray ist mit einem Handgriff entnommen und entleert und das tägliche Rückspülen der Brühgruppe (nur mit Heißwasser – einmal in der Woche dann mit Coffee Clean) funktioniert so eben mal en passant.
MEINE EMPFEHLUNG:
Wer schon immer eine große Maschine wollte, aber vor den meisten Gastromaschinen mit ihren 6 l-Boilern und 3–4.000 W-Heizelementen zurückgeschreckt ist, für den müsste die Epoca eine Offenbarung sein! Es ist eine der ganz wenigen Gastros, die sich nach Maßstäben der Vernunft (Liebhaberei verzeiht natürlich alles - auch die unvernünftigste Entscheidung!!!) auch für den privaten Haushalt eignen und sich noch in einem vertretbaren Kostenrahmen bewegen – sowohl in der Anschaffung, als auch im täglichen Betrieb.
Die technischen Daten in Kürze: Größe H 48 x B 38 x T 56 cm, Boiler 3.8 l, Heizung 1.600 W. Das bedeutet, die Epoca lässt sich problemlos am privaten Stromnetz betreiben – man muss ihr keine eigene, extra abgesicherte Leitung legen wie den wirklich großen Gastrokisten!
Läuft ja gut aus meiner ollen Silvia oder wie die heißt!![]()


LinkBack URL
About LinkBacks



Zitieren







Lesezeichen